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Unsere weibliche C-Jugend: ein besonderer Jahrgang

09.01.2011

Es geschah anno 2007. Die Mannschaft der in diesem Alter noch gemischt spielenden E-Jugend der HSG Kahl/Kleinostheim wurde stark von mehreren Spielerinnen geprägt. Um diesen eine Möglichkeit zu geben (ab C-Jugend muß getrennt gespielt werden), auch weiter Handball im heimischen Verein zu spielen, zog das weibliche Oberhaupt Elke der handballverrückten Familie Reising los, um in den Schulen Werbung für den Handballsport zu machen. Unterstützt durch die gleichzeitig in Deutschland stattfindende Weltmeisterschaft war dies von großem Erfolg gekrönt, es mußten sogar mehrere Trainingsgruppen eingerichtet werden. Offenbar wurde dabei der Spaß am Handballspiel sowie die Freude am Mannschaftssport gut vermittelt, viele der damaligen Interessentinnen sind heute noch dabei.

Nachdem nach nur wenigen Monaten Training die Qualifikation zur Bezirksoberliga um nur ein Tor verpaßt worden war, folgte ein zweiter Platz in der Bezirksliga des D-Jahrgangs in der Saison 2007/2008. Die Folgesaison beendete die D-Mannschaft mit einem Zwei-Punkte-Rückstand als Tabellendritter der Bezirksoberliga. Nun wagte man sich - entgegen mancher Ratschläge innerhalb und außerhalb des Vereins - an die Qualifikation zur Oberliga in der Altersklasse C. Sie wurde verlustpunktfrei gewonnen. Und die Mannschaft wurde überraschend zweiter in der Oberliga Hessen Süd, hinter dem späteren südwestdeutschen Hessenmeister aus Bensheim/Auerbach.

Da jedoch altersmäßig die meisten Spielerinnen im C-Jahrgang bleiben konnten, die Bensheimer Mannschaft aber fast vollständig in die B-Altersstufe wechseln mußten, war die Favoritenrolle nach einer erneuten souveränen Qualifikation für die Oberliga klar bei Kahl/Kleinostheim.

Dabei gab es - trotz zahlreicher Anfragen von außen - kaum externe Neuzugänge, denn die Trainer strebten nicht den kurzfristigen maximalen Erfolg an, sondern verfolgten von Anfang das Ziel, jede einzelne Spielerin weiterzuentwickeln.

Und das zahlte sich gerade in der Saison 2010/2011, in der zudem kaum Verletzungen zu beklagen waren, aus: die Ausgeglichenheit des Teams war eine der großen Stärken, den Begriff Ergänzungsspieler gibt es hier nicht. Daß somit ein großer Kader gut eingespielt ist, zeigte sich in allen Spielbereichen. Ein Prunkstück ist die Abwehr. Ob 6:0 oder 3:2:1 oder gar Einzeldeckung, hier weiß jede Spielerin, was ihre Nebenfrau in der einzelnen Spielsituation tun wird, man kann sich aufeinander verlassen, konzentriertes Verschieben wie energisches, aber nie unfaires Zugreifen haben schon manche gegnerische Angriffsversuche verzweifeln lassen. Und gerade bei einer Balleroberung zeigt sich dann die geistige Spritzigkeit der Mannschaft: da werden traumhafte Kombinationen aufs Feld gezaubert, die auch schon mal zu spontanem Applaus selbst von Anhängern des Gegners führen. Bei den Angriffen gegen eine vollständig positionierte Hintermannschaft zeigt sich die Handschrift der Trainer, aber auch die Spielfreude, die über die ganze Spielzeit anhielt: Da wird verschoben, rotiert, eingelaufen, an den Kreis gespielt, freigesperrt, bis sich - meist recht schnell - eine sichere Wurfgelegenheit ergibt. In der ganzen Saison wurde bisher nur einmal Zeitspiel gegen die HSG gepfiffen. Und sollte mal wirklich gar nichts gehen, gibt es ja immer noch mehrere Spielerinnen mit besonderer individueller Klasse.

Zu den Spielerinnen im Einzelnen (in alphabetischer Reihenfolge):

Linda Rosenberger (Tor): Wie sich bereits in der Qualifikationsrunde abzeichnete, hat Linda einen enormen Leistungssprung gemacht. In mehreren überragenden Spielen brachte sie manche Angreiferin zur Verzweiflung.

Lisa-Marie Goertz (Tor): In dieser Liga ist eine Klasse-Torhüterin zu wenig. Gut, daß die Stammtorhüterin der B-weiblich bei ihren Kurzeinsätzen in der C-weiblich immer wieder zeigte, was Ruhe und Erfahrung ausmacht.

Christina "Chrissi" Fecher: Trotz ihrer besonderen individuellen Klasse (ihre Sprungwürfe sind waffenscheinverdächtig) eine umsichtige Mannschaftsspielerin, Führende der Torschützenliste der Liga. Erstaunlich immer wieder der Unterschied zwischen ihrer zurückhaltenden Art außerhalb des Spielfelds und ihrer Explosivität im Spiel.

Annika Kaltenhauser: Auf der rechten Abwehrseite brennt nichts an, da hat sie schon mehrere Angreiferinnen verschlissen. Aber auch eine starke Entwicklung auf Rechtsaußen. Mannschaftsführerin.

Stefanie "Steffi" Reising: Der Kopf und Taktgeber der Mannschaft. Eine Mischung aus Emotionalität und handballerischem Einfallsreichtum (ihre Würfe aus der Hüfte sind berüchtigt).

Annika Reuter: Hat enorm von ihrer Führungsfunktion in der vorjährigen C2 profitiert, immer wieder erstaunlich ihre Durchsetzungskraft.

Melissa Rosenberger: Vor allem im Angriff durch ihre Schnelligkeit (und sehenswerte Flugkünste) eine echte Bereicherung.

Sabrina Sauer: Auch eine ehemalige C2-Spielerin, die sich nahtlos in den Spielfluß eingefügt hat.

Britta Schneider: Gerade bei starken Abwehrreihen durch ihre robuste Durchsetzungskraft wichtig.

Anna-Maria Spielvogel: Spielerisch wie technisch ein besonderes Talent, Spielfreude und Lässigkeit oft in Tateinheit.

Julia „Jule" Stahl: Was für ein Energiebündel und welche Kampfkraft steckt in diesem zierlichen Mädchen! Unzählige Rückraumtore gehen auf ihre effiziente Kreisarbeit zurück.

Überhaupt sieht sich die C-weiblich immer als eine Einheit mit jenem Team, das in der B-Oberliga spielt und das immer wieder Unterstützung durch C-Spielerinnen erhält; zahlreiche gemeinsame Aktivitäten unterstreichen das.

Dabei kommt im nächsten Jahr ein Luxusproblem auf die Mannschaft zu: Da viele C-Spielerinnen in der nächsten Saison in der Altersklasse B spielen müssen, ergibt sich dort ein Kader von enormer Qualität und Quantität. Trotzdem ist sich das Trainergespann sicher, daß es keine Weggänge geben wird, denn der Teamgeist in dieser Gruppe ist ein ganz besonderer. Und dieser Teamspirit ist kein Zufallsprodukt: jeglicher Verdacht von Unstimmigkeiten oder Zickenkrieg wurde im Keim erstickt, umgehend führte dann die Mannschaftsführerin ein klärendes und offenes Gespräch herbei.

Die menschliche wie sportliche Entwicklung ist aber vor allem dem Trainerteam Christopher Reising und Philipp Reiß zu verdanken. In kongenialer Arbeit werden Training und Spiele vorbereitet, werden die Stärken der einzelnen Spielerinnen herausgearbeitet und an den Schwächen gefeilt. Auf dem Feld wurde genau die richtige Abwägung zwischen mannschaftlichem Auftreten und individueller Durchsetzung gefunden. Und die Balance zwischen Disziplin und Freiheit in einer Gruppe von pubertierenden, selbstbewußten Mädchen gerade in der regelmäßigen Trainingsarbeit zu finden, ist für die nur wenige Jahre älteren Trainer eine besondere Leistung. Welche Trainertalente hier herangereift sind, zeigt auch die Steigerung der C-männlich, die Christopher Reising vor kurzem übernommen hat. Team und Eltern hoffen, daß es gelingen wird, Unterstützung für die Trainer so zu organisieren, daß sie terminlich, aber auch materiell den Spagat zwischen Training/Spiel „ihrer" Mädchen-Mannschaft und dem Beruf bzw. beginnendem Studium schaffen können.

Wichtig ist aber auch das sonstige Umfeld: Neben dem guten Geist Elke Reising unterstützen ungewöhnlich zahlreiche Eltern mit Aktivitäten und Diensten (Pausenverkauf, Fahrdienste, Zeitnehmer, Presseberichte, Organisation usw.) die Mannschaft, auch im Verein finden die Erfolge der Mädchen zunehmend Anerkennung. Trainer, Betreuer, Eltern und auch Verein sind sich bewußt, daß Cw/Bw einen Ausnahmejahrgang darstellen, der möglichst lange zusammenbleiben sollte. Auch wenn bald mancher schulischer, beruflicher oder auch privater Notwendigkeit Tribut gezollt werden muß, kann dieses Team in dieser Zusammensetzung noch viel erreichen.

Als nächstes Ziel steht - neben dem Nahziel einer verlustpunktfreien Saison in der Oberliga - die Hessenmeisterschaft am 19.3.2011 in Biblis an. Das wird ein besonderes Erlebnis für Spieler und Fans, die Trainer haben bereits mit ihrer bekannten Akribie mit den sportlichen Vorbereitungen begonnen. Denn bei einem - sicherlich recht schwierigen - Sieg dort wäre man für die nächste Saison bereits für die höchste Mädchenliga im Jahrgang B qualifiziert. Und diese Mannschaft läßt uns noch viel erwarten!

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